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Was ist Bildungsurlaub?

Seit 1974 gibt es den Anspruch auf Bildungsurlaub in der Bundesrepublik Deutschland. Aufgrund völkerrechtlicher Verträge hat sich Deutschland verpflichtet, einen bezahlten Bildungsurlaub einzuführen. Der Bildungsurlaub soll vor allem von Arbeitnehmern (oder sonstwie nicht selbständige Arbeiter) genutzt werden für:

  • Berufsbildung,
  • allgemeine Bildung
  • politische Bildung
  • gewerkschaftliche Bildung
  • ggf. weitere Bildung wie EDV-Kurse, Studienreisen, Gedenkstätten (Pflege der Erinnerungskultur)

Bildungsurlaub ist Ländersache. Bis auf Bayern und Sachsen haben alle Bundesländer entsprechende Gesetze umgesetzt.

Wo gibt es Bildungsurlaub?

In allen Bundesländern außer in Bayern und Sachsen gibt es Gesetze zum Bildungsurlaub. Dort ist festgeschrieben, wie viele Tage pro Jahr man bezahlt Weiterbildungen besuchen darf.

BundeslandGesetz
Welche Veranstaltungen?
Wie viele Tage?Fristen?
Baden-Württemberg
Baden-Württemberg
Bildungszeitgesetz Baden-Württemberg (BzG BW)
Berufliche und politische Weiterbildung,
Zur Qualifizierung für ehrenamtliche Tätigkeiten in bestimmten Bereichen des Ehrenamts.
Für längerfristige Aufstiegs- und Anpassungsfortbildungen.
Politische Weiterbildung nur zur Befähigung zur Teilhabe und Mitwirkung am politischen Leben auf europäischer, Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, keine allgemeinen gesellschaftspolitischen Themen.
Bis 5 Tage pro Jahr (bei Teilzeitbeschäftigung entsprechend weniger), keine Übertragbarkeit auf Folgejahre Anspruch nach 12 Monaten Beschäftigung im Betrieb Für Studierende der DHBW und Auszubildende 5 Tage für die gesamte Studien- bzw. Ausbildungszeit
Bayern
Bayern
Berlin
Berlin
Berliner Bildungsurlaubsgesetz (BiUrlG)
Politische, Berufliche Weiterbildung
Mindestdauer 1 Tag s
Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Brandenburg
Brandenburg
Gesetz zur Regelung und Förderung der Weiterbildung im Land Brandenburg (Brandenburgisches Weiterbildungsgesetz – BbgWBG)

Politische, Berufliche und Kulturelle Weiterbildung
Mindestdauer 1 Tag
Pro Tag 6 Ustd. à 45 min.


10 Tage innerhalb von 2 Jahren (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche)
Frühestens 6 Monate nach Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses

Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Bremen
Bremen
Bremisches Bildungszeitgesetz (BremBZG)


Politische, Berufliche und Allgemeine Weiterbildung, auch Schulungen für das Ehrenamt
Mindestdauer 1 Tag
Pro Tag 8 Ustd. à 45 min

10 Tage innerhalb von 2 Jahren (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche)
Frühestens nach sechs Monaten
Hamburg
Hamburg
Hamburgisches Bildungsurlaubsgesetz (HBGBildUrlG)
Politische, Berufliche Weiterbildung
Qualifizierung für ehrenamtliche Tätigkeiten
Studienreisen und Tagungen
Mindestdauer 1 Tag
täglich 6 Zeitstd., bei Sprach- und EDV-Kursen 6 Ustd.

5 Tage pro Jahr (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche), Zusammenfassung von 2 Jahren in das 2. Jahr möglich
Frühestens 6 Monate nach Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses

Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Hessen
Hessen
Hessisches Gesetz über den Anspruch auf Bildungsurlaub (BildUrlG,HE)

Politische und Berufliche Weiterbildung
Mindestdauer 3 Tage oder 2- und 3 Tage-Block innerhalb 8 Wochen
täglich 6 Zeitstd.

5 Tage pro Jahr (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche), rückwirkend auch ungenutzte Tage aus dem Vorjahr
Frühestens 6 Monate nach Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses

Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern
Gesetz zur Freistellung für Weiterbildungen für das Land Mecklenburg-Vorpommern (Bildungsfreistellungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern – BfG M-V)
Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 8 Wochen vor Kursbeginn

5 Tage pro Jahr (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche)
Frühestens 6 Monate nach Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses
Niedersachsen
Niedersachsen
Niedersächsisches Gesetz über den Bildungsurlaub für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Niedersächsisches Bildungsurlaubsgesetz – NBildUG)

Politische und Berufliche und Allgemeine Weiterbildung
Schulungen für das Ehrenamt
Mindestdauer 5 Tage, davon 3 Tage en bloc, am An- und Abreisetag je mindestens 4 Ustd.
täglich 6 Zeitstd.

Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 4 Wochen vor Kursbeginn
Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen
Gesetz zur Freistellung von Arbeitnehmern zum Zwecke der beruflichen und politischen Weiterbildung – Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz (AWbG)

Politische und Berufliche Weiterbildung
Mindestdauer 3 Tage en bloc oder in 5 Tage in Wochen-Intervallen
täglich mind. 6 Ustd.
Veranstaltungsort darf max. 500 km von der NRW-Landesgrenze entfernt sein. Diese Beschränkung gilt nicht für Seminare an Gedenkstätten des Nazi-Terrors.

Politische und Berufliche Weiterbildung, Ehrenamtsschulungen
Mindestdauer 1 Tag
täglich mind. 5 Zeitstd.

Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Ablehnung des Arbeitgebers innerhalb von 3 Wochen
Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz
Landesgesetz über die Freistellung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für Zwecke der Weiterbildung (Bildungsfreistellungsgesetz – BFG)
Politische und Berufliche Weiterbildung, Ehrenamtsschulungen
Mindestdauer 1 Tag
täglich mind. 5 Zeitstd.



10 Tage in 2 Jahren (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche), für Auszubildende 5 Tage pro Ausbildungjahr
Frühestens 6 Monate nach Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses
Saarland
Saarland
Saarländisches Bildungsfreistellungsgesetz (SBFG)
6 Tage pro Jahr (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche), davon die ersten beiden Tage mit vollständiger Freistellung, ab dem 3. Tag die Hälfte Eigenanteil (also Freizeit), also bei 6 Tagen insgesamt 4 Tage Freistellungsanspruch
Frühestens 12 Monate nach Bestehen des Beschäftigungsverhältnisses

Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Sachsen
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt
Gesetz zur Freistellung von der Arbeit für Maßnahmen der Weiterbildung (Bildungsfreistellungsgesetz – BiFreistG ST)Arbeitnehmer/innen Auszubildende nicht für Beamte, Richter und Richterinnen5 Tage pro Jahr (bei 5 Tagen Arbeit pro Woche), Zusammenfassung von 2 Jahren ist möglich Frühestens 6 Monate nach Beginn des Beschäftigungsverhältnisses Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn Ablehnung i.d.R. 3 Wochen, spätestens aber 3 Tage vor Kursbeginn
Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein
Weiterbildungsgesetz Schleswig-Holstein (WBG) Allgemeine, politische und berufliche Weiterbildung

5 Tage

7 Zeitstd. incl. Pausen täglich
Antragstellung beim Arbeitgeber spätestens 6 Wochen vor Kursbeginn
Thüringen
Thüringen
Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz (ThürBfG)
Gesellschaftspolitische Bildung
Arbeitsweltbezogene Bildung
Ehrenamtsbezogene Bildung.

Der Antrag muss 8 Wochen vor Seminarbeginn schriftlich beim Arbeitgeber gestellt werden.
Der Arbeitgeber muss spätestens 4 Wochen danach entscheiden und dies bei Ablehnung schriftlich und mit Begründung mitteilen. Anderenfalls gilt der Antrag als genehmigt.

Wer bekommt Bildungsurlaub?

Alle Bundesbürger in den teilnehmenden Bundesländern, wenn die jeweiligen Bedingungen (siehe auch oben) erfüllt worden sind.

Allgemein

  • Arbeitnehmer/innen
  • Auszubildende
  • häufig auch in Heimarbeit Beschäftigte sowie Personen in arbeitnehmerähnlichen Verhältnissen (kann je nach Bundesland variieren)
  • Auszubildende (meist nur für politische Bildung und Ehrenamtsschulungen)

Öffentlicher Dienst

  • In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen: Beamte, Richter, öffentlicher Dienst

Behinderten-Werkstätte

  • In Thüringen: Neben Angestellten und Arbeiter/innen dürfen auch Auszubildende, Personen, die in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen tätig sind Bildungsurlaub nehmen.

KMU

  • kann je nach Bundesland variieren
  • Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bis zu einer bestimmten Mitarbeiterzahl (bis 5 oder z.T. bis 20 Mitarbeiter) kann der Arbeitgeber selbst entscheiden ob Bildungsurlaub genehmigt wird

Wie kann ich Bildungsurlaub beantragen?

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